24.06.09 20:57

Selbstsicherheitstraining

Was macht eine selbstsichere Person aus und wie kann man Sicherheit lernen? Wie kann man sich beruhigen und entspannen, wenn man nervös wird? Und was hat all das mit Schule zu tun? SKY ist ein Projekt, bei dem Psychologen gemeinsam mit Schülerinnen an Selbstsicherheit, Unterstützung und Fortbildung arbeiten.

Entspannt und Sicher

Mario Lehenbauer ist Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe an der Lehr- und Forschungspraxis der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien (http://www.univie.ac.at/psychologie/lefop). Gemeinsam mit Prof. Dr. Birgit Stetina (Projektleitung) und fünf anderen Kolleginnen wurde das Projekt „SKY: Selbstsicher, Kompetent – For the Youth!“ ins Leben gerufen. „Bei SKY geht es darum, dass Schüler und Wissenschafter zusammenarbeiten“, erzählt er. Gefördert wir das „Sparkling Science“ Projekt vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. SKY hat drei Eckpfeiler: Erstens wird ein Selbstsicherheitstraining offline an verschiedenen Schulen angeboten. Zweitens gibt’s das Training bald auch online. Und drittens wird an manchen Schulen auch eine Peertrainerausbildung angeboten.

Bei der Ausbildung lernen SchülerInnen mehr über Schüchternheit, soziale Kompetenz und Entspannungsverfahren. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes sind Exkursionen an Forschungseinrichtungen. SchülerInnen haben so die Möglichkeit, den Forscheralltag an den Universitäten mitzuerleben. „Da geht’s dann etwa um die Fragen, wie wird am psychologischen Institut geforscht, was sind Fragebögen und was kann man mithilfe von Fragebögen erfassen. Und wir stellen auch Entspannungsübungen wie Biofeedback vor“, erklärt Mario Lehenbauer.

Miriam Reindl, 18, ist Schülerin an der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Steyr und hat gemeinsam mit ihren Klassenkolleginnen das halbjährige Trainingsmodul durchlaufen: „Mario ist gemeinsam mit Katharina Vytiska zwei Stunden pro Woche an unsere Schule gekommen. Wir haben das Selbstsicherheitstraining durchlaufen und auch Entspannungsübungen gelernt. Beim Training ging es zum Beispiel darum herauszufinden, welche Verhaltensmuster habe ich wenn ich unsicher bin, und welche, wenn ich selbstsicher bin – und wie kann ich Unsicherheit beheben.“

Engerl und Teuferl

Was bedeutet Selbstsicherheit was bedeutet Unsicherheit? Um das herauszufinden, haben Miriam und ihre Klassenkolleginnen auch Rollenspiele gemacht: So kann man dem nachgehen, welche Auswirkung Haltung und Blickkontakt haben, wie man Botschaften sendet und zeigt, ob man am Anderen interessiert ist. Und schließlich geht es auch um die persönlichen Denkmuster. Wenn man etwa angelächelt wird kann man davon ausgehen, dass sich der Gegenüber interessiert oder man kann sich ausgelacht fühlen. Das hängt sehr von der persönlichen Einstellung ab und die gilt es zu hinterfragen.

Die Rollenspiele haben Miriam besonders Spaß gemacht: „Zum Beispiel hat einmal eine Person eine Entscheidungssituation gespielt. Links hat jemand die Rolle der guten Gedanken übernommen und rechts hat ein anderer die bösen Gedanken gespielt. Es war echt interessant zu sehen, wie sie sich gegenseitig fertig machen und es war auch total lustig. Wir haben insgesamt sehr viel gelacht.“

Psychologen sind auch nur Menschen

Im ersten Workshop wurden psychische Störungen erarbeitet und dann gegenseitig präsentiert. Im zweiten Workshop haben die Schülerinnen zu verschiedenen Themen Planungen und Bildungsangeboten für Kindergärten, Hort und Früherziehungsstellen geschrieben. Für verschiedene Schwierigkeiten soll sich ein Hilfesuchender auf der Webseite Unterstützung downloaden können. Die von den Schülerinnen erarbeiteten Planungen werden vorher von den Wiener Psychologinnen überarbeitet und schließlich online zur Verfügung gestellt.

Miriam hat auch an einer Exkursion teilgenommen: „Wir hatten die Möglichkeit, eine Uni in Wien zu besuchen und konnten auch an einer Vorlesung teilnehmen. Wir haben einen wirklich guten Einblick bekommen.“ Darüber freut sich Mario Lehenbauer besonders: „Denn wir sind nicht die Leute mit einer Couch im Zimmer. Wir arbeiten in ganz normalen Behandlungszimmern und sind auch ganz normale Menschen.“

Lehr- und Forschungspraxis: http://www.univie.ac.at/psychologie/lefop

Projekt SKY: http://www.selbstsicherheit.at

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