CSIachitecture
Wie Old Shatterhand
Ulrike Herbig, 41, hat ursprünglich Vermessungstechnik studiert. „Das habe ich deshalb gemacht, weil ich in der Volksschule schon Karl May Bücher gelesen habe. Und Old Shatterhand war ja Landvermesser...“, erzählt sie. Im Laufe des Studiums erkannte die Forscherin jedoch, dass ihre Vorstellung und die Vermessungs-Wirklichkeit auseinanderklafften: „Beim Studieren bin ich dann aber draufgekommen, dass das was man als Vermessungstechnikerin tut, dazu führt, dass das Land mit Scheußlichkeiten, wie Autobahnen, verbaut wird.“ Die Idee, alte Häuser zu vermessen, um sie zu erhalten oder renovieren, hat ihr da viel besser gefallen. So war der Weg zur Architektur nicht mehr weit.
Heute beschäftigt sie sich mit der Architekturdokumentation am Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege. Hier geht es darum, Gebäude und deren Kontext verstehen, dokumentieren und erhalten zu können. Eine wichtige Hilfe ist dabei der Laserscanner geworden. Ein Gebäude kann so durchleuchtet und genau vermessen werden. Dieses Werkzeug ermöglichte Ulrike Herbig und ihrem Team eine Forschungsreise nach Baku in Aserbaidschan. Dort zeigen die österreichischen WissenschafterInnen anhand des Jungfrauenturms was sie drauf haben.
Viele Menschen kommen der Wahrheit näher
Ulrike Herbig hat in Baku die
Projektkoordination übernommen. Immerhin arbeiten viele verschiedene Menschen aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Nur so kann ein gutes Gesamtbild des Turms erarbeitet werden. Der Turm hat einen sehr ungewöhnlichen Grundriss – wie eine lang gezogene Sechs. Warum er so aussieht, ist nach wie vor ein großes Rätsel. Um sinnvolle Vermutungen anstellen zu können, braucht es die Fachmeinung von vielen Wissenschaftern, so Ulrike Herbig: „Architekten können nur von den kalten, harten Fakten ausgehen. Theologen haben wieder andere Theorien - genauso wie das Militär. Erst, wenn man alle gemeinsam befragt, dann wird man erkennen können, worum es sich hier eigentlich handelt.“
Wie kommt ein Forscherteam von der Uni Wien eigentlich nach Aserbaidschan? Eine Baufirma aus Baku hat zufällig vom Laserscanner erfahren und Interesse, von den österreichischen Wissenschaftern zu lernen. Also haben sie das Team in die Stadt eingeladen. Davon profitieren beide Seiten. Die Wissenschafter können auf Reisen gehen und mit Universitäten anderer Länder Kontakt aufnehmen um wiederum von anderen zu lernen. Die Baufirma lernt vom Know How der Forscher und etabliert einen guten Ruf zu Hause und in Österreich. So begab sich das Team im August 2008 zum ersten Mal auf den Weg nach Baku um sich dort die Gebäude anzusehen, die für eine Studie in Frage kämen. „Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten sind wir erst draufgekommen, wie spannend der Jungfrauenturm eigentlich ist“, so Ulrike Herbig.
Voneinander Lernen
In Aserbaidschan selbst bot das Forscherteam einen begleitenden Workshop an. StudentInnen und ProfessorInnen der Azerbaijan University for Architecture and Construction konnten von der Österreichern lernen, wie sie arbeiten. Besonders wichtig ist Ulrike Herbig dabei die so genannte Stadtanalyse. Dabei wird das Umfeld des Gebäudes in die Untersuchung miteinbezogen. Die Umgebung des Turms wird vermessen, dann findet eine klassische Vermessung statt. Die Untersuchung mit dem Laser ist dabei nur ein Mosaikstein von vielen. In einigen Monaten soll der Turm restauriert werden. Bevor diese Arbeiten losgehen können ist es auch wichtig, noch Bauforschung zu betreiben. Vielleicht kommen die ForscherInnen dem Geheimnis der seltsamen Form und seiner Bedeutung dann ja noch auf die Spur.




