Die Basis des Lebens
Weiter Weg
Manuela Baccarini arbeitet am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Wien. Hier untersucht sie eine Gruppe von Proteinen, die für die Zellteilung wichtig sind und damit auch für unkontrolliertes Zellwachstum wie bei der Entstehung von Krebs. Dabei ist sie mit ihrem Team auf einen neuen Mechanismus gestoßen, mit dem Zellsignale gesteuert werden können.
Die Römerin ist 52 Jahre jung geblieben erzählt sie: „Ohne meine Wissenschaft, wäre ich 52 Jahre alt.“ Der Weg von Italien nach Österreich war weiter als man meinen sollte: „Mein Beruf verlangt viel Mobilität, man muss dorthin gehen, wo die besten Möglichkeiten für die eigene Forschungsrichtung angeboten werden. Also bin ich aus meiner Heimatstadt Rom zuerst nach Perugia in Italien gegangen, dann nach Freiburg in Breisgau, und später Hannover, um meine Ausbildung zu vervollständigen. Dann habe den Sprung über dem großen Teich gemacht und bin nach New York gezogen. Nach 3 aufregenden Jahren konnte ich als Gruppenleiterin nach Hannover zurückkehren, nach drei weiteren Jahren dann nach Wien. Hier ist meine Tochter geboren, und hier bin ich seit 1994 zu Hause“, so die Molekularbiologin.
Überraschende Ergebnisse
In Wien forscht sie an den „Max F. Perutz Laboratories“. Besonders wichtig für ihre Arbeit sind die MEK-Enzyme. Das sind Schlüsselelemente des MAP-Kinase-Signalwegs. Dieser Weg spielt eine große Rolle bei der Entwicklung von Embryonen, beim Wachsen von Zellen und dem Zelltod. Bestimmte Enzyme sind dabei besonders bedeutsam. Manuela Baccarini und ihre Gruppe wählten für ihre Experimente die beiden Enzyme MEK1 und MEK2, die bei der Zellteilung und beim unkontrollierten Zellwachstum eine große Rolle spielen.
MEK1 und MEK2 sind Schwesterenzyme: "Wir wollten wissen, was auf molekularer Ebene in der Zelle passiert, wenn wir dieses für die embryonale Entwicklung notwendige Enzym MEK1 ausschalten", erklärt die Forscherin. Die Ergebnisse waren jedoch mehr als überraschend. "Wir hätten erwartet, dass sozusagen kein Licht brennt, wenn der Schalter ausgeschaltet ist. Doch genau das Gegenteil trat ein: Der Lichtschalter, also das Gen für MEK1, war abgeschaltet, das Schwesternenzym MEK2 war jedoch besonders aktiv und nicht wie erwartet ebenso abgeschaltet. Zellteilung und Wachstum als Folge der ungestörten, ja sogar gesteigerten Signalweiterleitung liefen auf vollen Touren."
Forschung um zu heilen
Wenn der MAP Kinase Weg gestört ist, führt das zum Beispiel zum Noonan-Syndrom oder zum Lepoard-Syndrom. Betroffene Menschen leiden an Herzerkrankungen, haben ein erhöhtes Krebsrisiko und können mit Fehlbildungen geboren werden. Nur, wenn man die Entstehung der Krankheit kennt, kann man entsprechende Therapien entwickeln.
Manuela Baccarini arbeitet gemeinsam mit ihrem Team auf Hochtouren um mehr Licht in die Sache zu bringen. Nach einem langen Tag im Labor freut sie sich auf ihre Familie, auf gute Bücher und auf gutes Essen. Sie selbst steht auch gerne in der Küche. Hier gibt es eine Verwandtschaft zu ihrem Beruf, meint sie: „Kochen hat ja auch ein bisschen mit Experimentieren zu tun.“




