21.01.09 15:09

Impaktforscher

Christian Köberl ist Impaktforscher. Er untersucht die Einschläge von Meteoriten auf unserer Erde. Dabei können tiefliegende Gesteinsschichten in nur wenigen Sekunden um hunderte Meter nach oben wandern. Wie man Impaktforscher wird und wie oft seine Studienobjekte in die Erdathmosphäre eintreten, erzählt er im Interview.

Science und Fiction

Die Studienrichtung für Meteoriteneinschläge ist noch nicht erfunden. Christian Köberl unterrichtet am Department für Lithosphärenforschung an der Universität Wien. Er selbst hat zuerst die Chemie-HTL in der Rosensteingasse besucht und anschließend die Fachrichtungen Chemie und Astronomie studiert. Klingt nach viel Stress, aber die Stundenpläne ließen sich gut kombinieren: „Die Chemielehrveranstaltungen wurden immer vormittags angeboten. Die Astronomieveranstaltungen waren meist eher spät am Abend. So ging sich das Doppelstudium gut aus, “ berichtet er.

Man könnte meinen, Christian Köberl hat während seiner gesamten Studienzeit keinen einzigen freien Tag verbracht. Aber manchmal frönte er auch seiner großen Leidenschaft, dem Film. Ein bis zweimal in der Woche besuchte er das Filmmuseum. Italienische Filme liebt er ebenso so sehr wie Science Ficition Klassiker. Solaris und 2001- Odyssee im Weltraum gehören dabei zu seinen Favoriten.

Deep Impact

„Deep Impact“ (1998) ist ein Science Fiction Film, der in Hollywood entstanden ist. Die Handlung: ein 10km großen Komet, steuert direkt auf die Erde zu – Astronauten fliegen nach oben und versuchen, den Brocken zu sprengen. Das Thema ist nicht völlig frei erfunden, da es in der Vergangenheit schon einige große Einschläge auf der Erde gegeben hat. Was aber meint Christian Köberl aus wissenschaftlicher Perspektive zu dem Movie? „Der Film „Deep Impact“ war gar nicht so schlecht. Das war größtenteils relativ realistisch dargestellt. Die Bilder vom Einschlag zeige ich manchmal sogar in der Vorlesung, weil sie relativ realistisch animiert sind, “ so Köberl. Unrealistisch dabei ist jedoch die Sequenz in der die Astronauten schnell ins Spaceshuttle hüpfen, um den Kometen zu sprengen. Einerseits könnten Spaceshuttles die Erdumlaufbahn nicht verlassen und die Vorbereitungszeit für eine solche Mission würde viel zu lange dauern.

Wenn Gestein flüssig wird

Um verstehen zu können, was bei einem Einschlag eines Meteoriten passiert, untersucht Köberl verschiedene Krater auf der ganzen Welt. Einer davon befindet sich in Ghana - namens Bosumtwi. Hier hat ein Steinmeteorit mit etwa einem halben Kilometer Durchmesser eingeschlagen. 1997 war er zum ersten Mal dort. Im Jahr 2004 gab es dann großangelegte Bohrungen im Bosumtwi. Allein die Bohrungen haben 2 Millionen Dollar gekostet. Bis heute werden die daraus resultierenden Daten ausgewertet.

Köberl arbeitet nicht allein an diesem Projekt. Studierende wie Wissenschafter aus vielen Ländern sind daran beteiligt. Für Köberl is das die Voraussetzung für gute Forschung: „Ich finde es selbstverständlich, dass man als österreichischer Wissenschafter nicht nur mit den eigenen Leuten kooperiert. Erfolgreiche Forschung sollte international sein.“ So ist an dem Projekt etwa auch ein russischer Wissenschafter beteiligt, der Experte für Computermodellierung ist. Köberls Dissertant Ludovic Ferrière veröffentlichte zu diesem Thema sogar einen Artikel im rennomierten Magazin „Science“. Die Gruppe hatte herausgefunden, dass sich durch den enormen Druck beim Einschlag des Meteors tiefliegendes Gestein sozusagen flüssig wird und an die Oberläche gebracht werden kannn. Innerhalb von wenigen Sekunden können tiefliegende Gesteinsschichten um bis zu 1,5 km angehoben werden.

Für Christian Köberl wäre ein erneuter Metoriteneinschlag ein Grund zur Freude, sagt er halb im Ernst: „Im Mittel passiert das alle 5000 Jahre einmal. Aber wann es wieder soweit ist, weiß keiner. Ich hoffe, dass das wirklich passiert – aber nur in unbewohntem Gebiet. So ein mittelgroßer, „frischer“ Krater wäre ein tolles Studienobjekt“

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