21.04.09 15:36

Mit Pollen Mordfälle lösen

Pollen sind vielen Menschen nur als Allergieauslöser bekannt – dabei dienen sie in erster Linie der Fort-Pflanzung. Martina Weber ist Palynologin an der Universität Wien und hat aus beruflichen Gründen sogar mit der Kriminalpolizei zu tun.

Winzige Spuren

Martina Weber ist Palynologin. Die Forschung mit und über Pollenkörner ist ihr Beruf. Momentan beschäftigt sie sich besonders mit dem Bereich der Forensischen Palynologie. Damit wäre sie eine gute Ergänzung zum Team von CSI. In der Forensischen Palynologie versucht man mit Hilfe von Pollen Verbrechen auf die Spur zu kommen.

Pollen sind überall und sehr klein. Jeder, der sich irgendwo aufhält, nimmt ein bestimmtes Pollenmuster auf Haut und Kleidung mit auf die Reise. Pollen findet man allerorten – es gibt sie auch in geschlossenen Räumen. Wenn sich nun ein Täter vom Ort eines Verbrechens entfernt, nimmt er ein ganz bestimmtes Pollenmuster mit. Auch wenn er abstreitet, am Tatort gewesen zu sein, kann man durch die Pollen an Schuhen und Haaren nachweisen, dass er gelogen hat.

Mord in Wien

Martina Weber (Bild rechts) wurde von der Polizei bei der Aufklärung eines Mordfalles um Hilfe gebeten. Tatort und Fundort der Leiche sind nicht identisch. Sie versucht mit Hilfe der Pollen herauszufinden, wo die Person ermordet worden sein könnte. Der erste Mordfall der Geschichte, der mit Hilfe von Pollen gelöst wurde, wurde von einem österreichischen Wissenschafter bearbeitet.

Der Professor, der das Verbrechen aufklären konnte, war ein Lehrer von Martina Weber. Durch die Erzählungen in den Vorlesungen kam sie eines Tages auf die Idee, sich selbst mehr damit auseinanderzusetzen. Im Laufe ihrer Karriere lernte sie auch die führenden Wissenschafter der forensischen Palynologie kennen. Heute arbeitet sie nicht nur mit Wissenschaftern zusammen, sondern auch mit der Polizei. Die Kriminologen sind an ihrer Arbeit sehr interessiert.

Das Kleinste der kleinen Dinge

Aber nicht nur in der Verbrechensbekämpfung können Pollen eine große Rolle spielen. Auch bei Themen wie Nahrungsmitteln hilft die Palynologie weiter. So gibt es etwa einen kanadischen Honig mit Heilwirkungen. Weil dieser so populär ist, werden auch immer wieder Fälschungen davon hergestellt. Die Biologen sehen im Mikroskop aber sehr rasch, ob es sich um den echten Honig handelt oder nicht – im sortenreinen Honig ist eine ganz bestimmte Anzahl von Pollen einer bestimmen Pflanze vorhanden.

Ursprünglich wollte Martina Weber Lehrerin werden und hat dafür Biologie studiert. Im Verlauf des Studiums hat sie dann immer mehr die Pflanzenwelt kennen und lieben gelernt. Durch das Elektronenmikroskop hat sie sich dann ganz in der Tiefe verloren. „Es hat mich unglaublich begeistert, in die Zellen hineinzuschauen. Ich wollte das Kleinste der kleinen Dinge sehen.“

http://www.paldat.org/index.php?page=home
http://www.botanik.univie.ac.at/em/index_layer.php?datei=1

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