Kluge gefiederte Köpfe
„Hütchenspiel für Vögel“
Christian Schloegel arbeitet an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in
Grünau gemeinsam mit vielen Kollegen aus vielen anderen Städten wie etwa Oxford und Triest. Neben den Menschlichen Kollegen spielen aber die geflügelten Mitarbeiter eine besonders große Rolle. Die Vögel, mit denen Christian Schloegel arbeitet, werden in zwei Gruppen unterteilt: Papageienarten und Rabenvögel. Zu den Papageien zählen etwa die Graupapageien und Keas. In der Gruppe der Rabenvögel finden sich Kolkraben, Dohlen, Neukaledonische Krähen und Eichelhäher.
Diese Tiere werden vom Forschungsteam verschiedenen Intelligenztests unterzogen. Diese Tests sind dem Niveau der Tiere angepasst und gar nicht mit „menschlichen“ Intelligenztests zu vergleichen. Ein klassischer Intelligenztest für Tiere ist zum Beispiel die Versuchsanordnung mit zwei Bechern. Unter einem von den Bechern ist Futter versteckt. Die Tiere bekommen den Becher zu sehen, der leer ist. Nicht alle Tierarten können dann den logischen Schluss ziehen, dass das Futter unter dem anderen Becher verborgen sein muss. Menschenaffen schneiden hier sehr gut ab – Hunde eher nicht.
In den Untersuchungen von Christian Schloegl lösen die Kolkraben die Aufgabe besser als die Dohlen und Keas. Das kann aber auch daran liegen, dass Raben in der Natur ihr Futter sorgsam vor anderen verbergen müssen. Also müssen sie auch immer ein Auge auf mögliche Räuber in ihrer Umgebung haben und wissen, ob sie beobachtet werden und wer das Futter gegebenenfalls stehlen könnte. Daher haben sie in dieser Disziplin sozusagen einen Trainingsvorteil. Deshalb kann man nicht endgültig sicher sein, dass Raben generell besser Rückschlüsse ziehen können als Dohlen oder Keas.
scIQ wollte es noch genauer wissen und hat bei Christian Schloegl nachgefragt:
scIQ: Wie alt sind Sie?
Christian Schloegl: 31
scIQ: …und leben in Deutschland?
Christian Schloegl: Nein, ich habe in Deutschland mein Diplomstudium gemacht und bin dann für die Dissertation nach Wien gewechselt.
scIQ: Sie haben Biologie studiert?
Christian Schloegl: Genau, Schwerpunkt ist Zoologie, bzw. Verhaltensbiologie und Kognition.
scIQ: Warum diese Schwerpunkte? was fasziniert daran besonders?
Christian Schloegl: ich habe verschiedene Praktika gemacht und bin dann bei der Verhaltensbiologie gelandet. Der direkte Kontakt mit den Tieren ist faszinierend, vor allem in meiner Arbeit ist es so, dass man die Tiere sehr gut kennen lernt, was die Arbeit spannend macht. Man kann einen Kontakt aufbauen wie man es auch mit Haustieren hat. Nur sind Kolkraben eigensinniger, haben ihren eigenen Kopf. Intelligente Tiere üben prinzipiell einen großen Reiz aus. Es ist hoch spannend zu erforschen, was sie wirklich verstehen können
scIQ: Gab es mal ein besonders nettes Erlebnis mit einem Vogel, das ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Christian Schloegl:Eine nette Geschichte ist sicherlich die von zwei Brüdern, die den engsten Kontakt zu mir hatten.
scIQ: Zwei Rabenbrüder?
Christian Schloegl:ja, wir hatten eine Gruppe von insgesamt 13 Tieren zu Beginn, und nach etwa fünf Monaten haben wir die Jungtiere mit einem erfahrenen, erwachsenen Paar zusammengelassen. Das war am Anfang auch kein Problem, aber irgendwann kommen Männchen in die Halbstarkenphase. Der erwachsene Rabe (Hugin) hatte nach einiger Zeit auch etwas gegen die beiden Brüder, und wenn sie in seinen Teil der Voliere kamen, hat er sie durch die Gegend gescheucht. Aber wie gesagt, Halbstarke werden dann schnell wieder zu Kindern, und die beiden haben sich dann ständig auf meine Schulter geflüchtet, wo sie dann sicher vor Hugin waren.
scIQ: Wie zeigt sich die Intelligenz der Tiere in der täglichen Arbeit oder in den Experimenten mit den Tieren?
Christian Schloegl: Wie gesagt, Raben machen Verstecke und versuchen auch, die Verstecke von anderen zu plündern. Wir wollten herausfinden, wie schnell sie lernen können, ob jemand gefährlich ist (d.h. ein potentieller Plünderer ist). Dazu haben wir einen Raben allein Verstecken lassen, und es war immer eine Person dabei, die - nachdem das Versteck gemacht wurde - entweder das Versteck geplündert hat oder nicht. Wir wollten einfach sehen, wann sie anfangen vorsichtiger zu sein. In einem Fall hat ein Weibchen dann das Futter genommen, es versteckt, es vor unseren Augen wieder aus dem Versteck genommen und wieder neu versteckt.
scIQ: Was ist dann passiert?
Christian Schloegl: Danach ist die Kollegin zu dem Versteck und wollte es ausräumen (ich habe gefilmt). Aber sie hat das Futter nicht gefunden. Wir haben dann beide gesucht, aber keine Chance gehabt. Letztlich sind wir zu dem vorherigen Versteck gegangen und dort war das Futter. D.h. sie hat nur vorgetäuscht, den Versteckplatz zu ändern, in Wirklichkeit das Futter aber am alten Platz belassen
scIQ: Bis wann soll das Projekt abgeschlossen sein?
Christian Schloegl: ja, und Raben sind Meister in diesen Täuschungsmanövern. Das jetzige Projekt läuft bis Anfang 2011
scIQ: Danke für das Interview…




