Forschen im Eis
Youth into Science
Die Naturwissenschaftlichen Projekttage in Obergurgl fanden im Rahmen von „Youth into Science“ (YIS) in Kooperation mit der Alpinen Forschungsstation Obergurgl statt. YIS ist wiederum Teil der Initiative Junge Uni der Universität Innsbruck, die 2001 gestartet wurde. Sie bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, in die Welt der Wissenschaften zu schnuppern und aktiv mitzumachen. Mehr Info
Tag 1: Obergurgl, am 9.9.08
Heute um 8 Uhr morgens ging es los. Wir, die SchülerInnen der Klasse 6C des Adolf-Pichler-Platz-Gymnasiums in Innsbruck, machten uns gemeinsam mit unserer geliebten Klassenvorständin Sieglinde Stein nach Obergurgl auf – um Glaziologie, also Gletscherforschung, zu betreiben. Nach zwei Stunden lustiger Busfahrt erreichten wir das Universitätszentrum von Obergurgl.
Dann ging es auf den Berg. Beim Rotmoosbach brachen wir erschöpft zusammen. Als „Belohnung“ erhielten wir einen zweistündigen, sehr interessanten Vortrag über die Limnologie. Universitätsprofessor Leopold Füreder redete und redete und redete … So stellten wir uns einen typischen Universitätsprofessor vor, der viel zu viel Fachjargon verwendet. Währendessen ruhten wir uns aus, einige von uns sind auch „versehentlich“ eingeschlafen.
Nach einem gemütlichen Sonnenbad mussten wir uns aufraffen, um die Limnologie zu erkunden. Falls einige unseren Fachjargon nicht verstehen: Limnologie beschäftigt sich mit dem Leben in den Fließgewässern.
Mit Gummistiefeln und extrem teuren Messgeräten bewaffnet machten wir uns zum Gletscherbach und Quellbach auf. Wir holten etliche Tierchen aus dem Wasser, die wir am Abend unter dem Mikroskop untersuchten. Weiters bestimmten wir die Fließgeschwindigkeit, die Temperatur und andere wichtige Faktoren des Wassers.
Am Abend pünktlich um 6 Uhr bekamen wir ein delikates Abendessen. Wir hatten sogar einen eigenen Kellner. Nach dem köstlichen Essen wollten wir uns ausruhen, aber nach nur einer Stunde wurden wir beglückt, weiteren „interessanten“ Vorträgen zu lauschen, sowie die gefangenen Tierchen genauer zu untersuchen. Und wieder einmal waren wir mit dem Fachjargon des Herrn Professor Füreders leicht überfordert.
Tag 2
Nach einem frühen Frühstück machten wir Bekanntschaft mit Kay Helfricht und Martin Stocker. Die zwei Glaziologie-Studenten waren für das Tagesprogramm zuständig. Das erste Ziel der Wanderung: die Mittelstation der „Hohen Mut“ –Bahn, um dann einen Grat entlang Richtung Rotmoosferner zu marschieren.
Anschließend bekamen wir den Auftrag, den Rückgang der beiden Gletscher Rotmoosferner und Gaisbergferner seit 1850 in einer Karte einzuzeichnen. Kay und Martin erklärten uns, wie wir anhand der Seiten- und Endmoränen erkennen können, wie weit die Zunge ins Tal gereicht hat und wie hoch das Eis das Tal füllte. Außerdem wurde uns erläutert, dass diese Gletscher unter Umständen nur mehr wenige Jahrzehnte überleben würden und dies fatale Folgen haben könnte, da die Gletscher wichtige Wasserspeicher sind.
Nach getaner Arbeit ging unsere Wanderung weiter. Unsere Mittagspause fand in einer felsigen Umgebung statt, es muss um zirka 13:00 Uhr gewesen sein. Während dieser Pause war das Gesprächsthema Nr. 1 das Schwarze Loch, das in der Schweiz zu entstehen drohte. Nach ein paar ironischen Bemerkungen zu diesem Thema ging unsere Wanderung Richtung ewiges Eis weiter. Als wir sehr nahe am Gletscher waren, beschloss eine kleine Gruppe von Mitschülern, die Gletscherzunge zu besteigen. Dann begann die anstrengende Wanderung durch das Rotmoostal. Als wir auch diese Hürde überwunden hatten, durften wir uns in einer Hütte stärken, bevor es wieder in unser Quartier nach Obergurgl ging. Dort besprachen wir die Ergebnisse unserer Forschung. Außerdem hätten wir das Ganze mit einem Computerprogramm auswerten sollen. Leider wollten die ausgeliehenen Laptops einfach nicht so richtig mitspielen. Dieser Umstand störte uns Schüler eigentlich nicht weiter, denn jetzt hatten wir bis zur Schlafenszeit frei.
Tag 3
Wieder Frühstück um 8 Uhr. Dann Versammlung im Hörsaal, um die Präsentationen über Gletscher auszuarbeiten. Als nächstes stand eine Diskussion über den Speichersee im Rotmoostal auf dem Programm. Jeweils ein Schüler aus den vier Gruppen stellte sich zur Verfügung, um auf die Bühne zu gehen und mit den drei weiteren ein Wortgefecht zu veranstalten. Wir sollten uns vorstellen, der künstliche See existiere noch nicht, und wir sollten uns in die Lage der Betroffenen hineinversetzen. Die vier Diskutierenden nahmen verschiedene Rollen ein (Tourist, Liftbetreiber, Einheimischer, Naturschützer). Anschließend gab uns ein älterer Herr, welcher für die Wettermessungen an der Alpinen Forschungsstelle zuständig ist, selbstgebrauten Tee aus Brennnesseln und Himbeerkraut zu trinken, welcher mit Keksen serviert wurde. Da auch Gruppenfotos nicht fehlen durften, nahmen wir vor der Abfahrt einige vor der Unterkunft auf. Nun mussten wir unsere Heimreise antreten und fuhren in zwei Kleinbussen zum Adolf-Pichler-Platz zurück.
Wissenschaft im Hochgebirge
Die Alpine Forschungsstation Obergurgl (AFO) ist eine Außenstelle der Universität Innsbruck, die im inneren Ötztal liegt. Seit über 50 Jahren werden dort Themen wie die Rolle des Hochgebirges als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen sowie Höhen- und Sportmedizin, Gletscherkunde, Klimawandel oder auch Siedlungsgeschichte erforscht. Mehr Infos




