26.05.09 21:09

Meister der Rede

Johannes Bertsch gewann vor kurzem den Vorarlberger Redewettbewerb und wird im Juni in Wien am Bundesbewerb teilnehmen. Wie man sich optimal auf einen solchen Wettkampf vorbereitet und warum die richtige Menge an Nervosität entscheidend sein kann, erzählt er im Interview.

Ein alter Hut

Im Landesbewerb nahmen heuer insgesamt 31 Jugendliche im Alter von 15 bis 22 Jahren teil. Der Redewettbewerb selbst ist beinah ein alter Hut – er fand heuer zum insgesamt 57. Mal statt. Spontanreden-Sieger Johannes Bertsch überzeugte mit einem Statement zum Themenbereich „Politik und Gesellschaft“ und belegte hier den ersten Platz. Auch in der Kategorie „klassische Rede“ nahm er teil und sicherte sich damit den zweiten Platz. „Ich hatte noch eine Rechnung mit dem letzten Jahr offen“, erzählt er. Damals nahm er auch teil, belegte jedoch nur den zweiten Platz. „Man hat mir gesagt, es war ziemlich knapp – es muss nur an einer Kleinigkeit gelegen haben, dass ich’s nicht geschafft habe“, so der Schüler über seine Motivation, es sich und anderen zu beweisen.

Um sich optimal vorbereiten zu können, besuchte Johannes vorher den Workshop „Redensart“. Hier konnte man auf Bühnen Auftreten und Vortrag üben und perfektionieren. Unterstützt und betreut wurden die jungen Leute von zwei Workshopleitern, die Johannes besonders beeindruckten: „Sie wollten uns nichts beibringen. Sie wollten, dass wir voneinander lernen.“ So lernte Johannes nicht nur durch das eigene Vortragen, sondern vor allem von und durch die Reden der anderen Teilnehmer.

Im Wettbewerb läuft alles natürlich etwas strenger ab als in einem Workshop. Bei der „klassischen Rede“ wählt der Teilnehmer aus einer Themenliste. Aber auch eigene Themen sind erlaubt. Die Rede darf dann in aller Ruhe zu Hause vorbereitet werden. Manche lernen den Text auswendig. Andere wiederum – wie Johannes - erstellen ein grobes Konzept und sprechen dann frei von der Leber. Aber auch bei der „Spontanrede“ wird ein Themenbereich vorher ausgewählt. Kurz vor dem Bewerb zieht man den Titel seiner Rede und hat dann noch fünf Minuten Zeit, sich Inhalte und Ablauf zu überlegen.

Verdienen Politiker zu viel?

Johannes zog bei der Spontanrede das Thema: „Verdienen Politiker zu viel?“. Zwei bis vier Minuten darf oder soll der Vortrag dann dauern. Da die klassische Rede besser vorbereitet werden kann ist hier der Zeitrahmen sechs bis acht Minuten. Sich bei der Spontanrede richtig vorzubereiten ist schwierig so Johannes: „weil man ja nicht weiß, was kommt. Bevor man auf die Bühne geht, hilft es, wenn man einen Ablauf plant. Der Gang auf die Bühne muss schon perfekt durchgedacht sein. Dann hilft es auch, wenn man sich sammelt. Dann kann man besser in die Rede starten. Letztlich macht Übung den Meister. Je mehr man auf der Bühne steht und vor Publikum spricht, desto besser wird man.“

Im Gegensatz zu vielen anderen genießt Johannes es förmlich, vor Menschen eine Rede zu halten: „Mir gefällt es, auf der Bühne zu stehen… meine Gedanken zu äußern, vor Publikum zu sprechen. Wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich Spaß dort.“ Da sollte man meinen, dass die Referate, die im Laufe einer Schülerkarriere so zu halten sind, ihm besonders viel Freude machen. Tatsächlich stresst ihn das nicht wahnsinnig. Auf die Vorbereitung kommt es an, ist Johannes überzeugt. Und da hat ihm der Workshop besonders viel geholfen.

grade genug Nervosität

Trotz guter Vorbereitung kämpft auch Johannes mit Nervosität und Lampenfieber. Aber Nervosität war auch der Schlüssel zum Sieg erzählt er: „Bei der Spontanrede habe ich den richtigen Grad an Nervosität erwischt. Da kommt etwas Neues auf mich zu – das hat mich beunruhigt. Da ist es auf der Bühne richtig gut gelaufen. Bei der klassischen Rede war ich fast zu gelassen. Das hat dann auch verdient jemand anderer gewonnen.“

Johannes wird im Juni beim Bundeswettbewerb in Wien teilnehmen. Wie’s für ihn beruflich weitergehen wird, weiß er noch nicht so genau: „Will ich wirklich in Richtung Moderation? Ich bin mir da selber noch nicht ganz schlüssig. Ich bin ja auch in einer Wirtschaftsschule. Auch das macht mir Spaß. Ich werde wahrscheinlich in der wirtschaftlichen Schiene was machen. Möglicherweise ist das aber auch nur ein Schutzinstinkt, weil’s für Manager mehr Arbeitsplätze gibt, als für Moderatoren.“

http://www.bmukk.gv.at/schulen/pwi/wb/redewettbewerb_09.xml

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