15.10.08 14:12

Dreifacher Mathe-Olympiagewinner

Mathematikbegeisterte werden sich freuen, dass Yimin Ge als Zivildiener nun nicht mehr an der Mathematikolympiade teilnehmen kann. Der Gewinner der letzten drei Wettbewerbe ließ anderen wenige Chancen auf den Sieg. Er hat seine Freude an der Mathematik außerhalb der Schule entdeckt und ist überzeugt davon, dass der Mathe-Unterrichtsstil in Österreich völlig verkehrt ist.

„Ich will an die Uni!“

Yimin ist Wiener, 19 Jahre alt und absolviert gerade noch seinen Zivildienst, bevor er mit dem Mathematikstudium loslegen kann. Er ist der Gewinner der vergangen drei Bundeswettbewerbe der Österreichischen Mathematikolympiade und vierfacher Teilnehmer der Internationalen Mathematikolympiade – IMO.

Er weiß schon seit vielen Jahren, was er studieren will. Nach dem Studium möchte er gerne in die Forschung gehen. Eben weil er so genau weiß, was er gerne tun möchte, fällt es ihm schwer Geduld zu haben, bis die Monate des Zivildienstes vorüber sind.

Sein Mathematikinteresse hat sich vor fünf Jahren entwickelt. In der ersten Klasse der HTL hat Yimin seinen ersten Mathematik-Vorbereitungskurs begonnen. Solche Kurse finden außerhalb des regulären Unterrichts statt. Hier wurde der Grundstein für seine spätere Begeisterung gelegt. 2004 hat er den Wiener Landeswettbewerb gewonnen. 2005 folgte dann die erste Qualifikation für die Internationale Mathematikolympiade. Talent allein reicht allerdings nicht aus, so Yimin: „Seitdem habe ich auch angefangen, gezielt in diese Richtung zu trainieren und zu üben.“

Ruhm, Ehre und bessere Zukunftschancen

Bei einer Mathematikolympiade geht es weniger um das Rechnen als um Kreativität und geniale Ideen im Umgang mit Zahlen. Die Aufgaben sollten dabei so formuliert werden, dass ein Mathematik – Universitätsprofessor und ein Oberstufenschüler theoretisch die gleichen Chancen haben sollen.

Die Preise der Mathematikolympiade sind nicht der Hauptgrund für die Teilnahme. Es gibt nämlich nur eher kleinere Sachpreise zu gewinnen. Den Teilnehmern geht es vielmehr um Ruhm und Ehre. In anderen Länden beobachtet man die die Gewinner der IMO ganz genau. Dort sind die Wissenschaftsolympiaden direkt an den Universitäts- und Forschungsbetrieb angebunden. Man hofft so, schon früh Talente entdecken, fördern und für sich gewinnen zu können. In Österreich ist man offenbar noch nicht auf diese Idee gekommen. Die Wettbewerbe haben keine direkte Verbindung zu Universität oder Industrie.

Die Schule macht’s falsch!

Die meisten Schüler in Österreich haben große Schwierigkeiten mit dem Fach. Für Yimin ist es eindeutig nachvollziehbar, warum das so ist: „Es wird nicht Mathematik, sondern Rechnen unterrichtet. Auf Verständnis oder gar eigene Ideen wird kaum Wert gelegt. Dabei ist das selbstständige Nachdenken und das "selbst auf Sachen draufkommen" der Hauptschlüssel nicht nur für das Verständnis, sondern auch für die Begeisterung der Mathematik. Eigene Geistesblitze nach längerem Tüfteln lösen erfahrungsgemäß eine ziemliche Euphorie aus, selbst wenn sich nachher herausstellt, dass dieser Gedankengang schon vor tausenden Jahren von den alten Griechen gefunden wurde.“

Während seiner Schulzeit hat ihm sein Talent gute Kontakte zu den Mitschülern verschafft: „Meine Beliebtheit stieg klarerweise immer mit nahenden Mathematikschularbeiten oder Tests in Fächern, die sich ebenfalls der Mathematik bedienen – und an der HTL waren das nicht so wenige.“ 

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